Anna-Katharina Stöcker, 17. Jahrgang

Als der Flyer der Bayerischen EliteAkademie in meinem Briefkasten lag, war mein erster Gedanke: „Das ist doch nur für BWLer, eine Psychologin hat da sowieso keine Chance.“ Der Flyer landete auf einem Stapel mit vielen anderen Dingen, die ich mir irgendwann nochmal genauer anschauen wollte. Zwei Tage vor Ende der Bewerbungsfrist fiel er mir dann wieder in die Hände. „Was soll‘s“, dachte ich mir, „dann teste ich jetzt einfach mal meinen Marktwert.“ Ganz locker setzte ich mich an die Bewerbung, schaffte die erste Bewerberrunde, brachte das Gutachtergespräch erfolgreich hinter mich und traf dann auf eine Stipendiatin des 16. Jahrgangs der BEA. Im Laufe des Gesprächs überzeugte sie mich vollkommen – obwohl ich bis dahin wirklich gezweifelt hatte, ob ein Programm mit Elite im Titel das richtige für mich ist. An den Auswahltag in Feldkirchen-Westerham kann ich mich kaum noch erinnern: Ein klassisches Blackout. Es muss allerdings ganz gut gelaufen sein, denn wenige Tage später kam telefonisch die Zusage.

Ende August ging es dann los mit der ersten Präsenzphase. Das Auto war vollgepackt mit frisch gekauften Businessoutfits für die Kaminabende, Wandersachen für die Outdoortage, normaler Kleidung und schicken, bequemen, Sport-, Wander- und Badeschuhen. Nach über drei Stunden Autofahrt kam ich an, richtete mich in meinem Zimmer ein und setzte eine schnelle „Bin gut angekommen“-Nachricht an die Familie ab.

Und ab da begann eine unglaublich intensive Zeit: Jeden Tag von 9 bis nach 17 Uhr Seminare – zum diskutablen Elite-Begriff, ein Benimmkurs, Präsentations- und Interviewtraining, Unternehmensethik, Finanz- und Schuldenkrise, Leadership und, und, und… Die Seminare weisen eine sehr hohe fachliche Qualität auf und sind methodisch unterschiedlich aufgebaut – Arbeit in Kleingruppen, klassischer Vortrag, Diskussionen, offene Fragerunden – ebenso vielfältig wie die Dozentinnen und Dozenten.

Nach dem Abendessen stand oft nochmal Seminar oder ein Kaminabend mit interessanten Gästen aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft an. Dazwischen springt man mal schnell ins Schwimmbad oder schwitzt gemeinsam in der – wichtig – Textil-Sauna. Am Abend oder am Wochenende sitzt man gemütlich beisammen, unterhält sich, spielt Spiele oder tanzt und feiert auch ab und an. Und damit komme ich wohl schon zum für mich persönlich wichtigsten Element der BEA: die anderen Stipendiatinnen und Stipendiaten. Man ist Teil einer Gruppe von 35 Personen, die aus völlig verschiedenen Disziplinen stammen und in ihrer jeweiligen Disziplin besonders gut sind. Daraus ergeben sich spannende Diskussionen beim Abendessen – mit Freude erinnere ich mich an eine Debatte zur Frauenquote und zum Social Freezing –, aber auch ganz praktisch nützliche Kontakte: Der eine kann erstklassige Logos erstellen, der andere macht wunderschöne Luftaufnahmen mit seiner Drohne, die nächste hat eine perfekt gelayoutete Vorlage für einen Lebenslauf zur Hand. Weil man vier Wochen ganz intensiv zusammen arbeitet, aber auch einfach das klassische „Schullandheimfeeling“ erlebt, lernt man sich so gut kennen, wie es seit der Schulzeit kaum noch in einer Gruppe möglich ist. Das Potential der Gruppe, das Netzwerk, ist für mich das wertvollste, was die BEA zu bieten hat.

Ich möchte an dieser Stelle noch einmal an alle Geistes-, Kultur-, Humanwissenschaftler appellieren: Auch für euch bietet die BEA etwas! Interdisziplinär denken und arbeiten zu können, sich interdisziplinäres Wissen anzueignen kommt in der Uni oft zu kurz, hier habt ihr die Gelegenheit. Bewerbt euch, seid offen und neugierig und bereichert die BEA durch andere Herangehensweisen.